Weihnachten kommt immer so plötzlich!

Authentische WeihnachtswünscheAlso ich spreche jetzt niemanden direkt an – aaaber… Trotz aktueller Krise wird ja breit gestreut „Frohe Weihnachten!“ oder Ähnliches gewünscht, und zwar privat wie geschäftlich. Aus Zeit- und Kostengründen überwiegen dabei schon lange E-Mails, Postings usw. gegenüber Briefkarten. Doch das mindert nicht die damit verbundenen Peinlichkeiten, denn: Weniger glaubwürdig sind höchstens noch Beileidsbekundungen am offenen Grab.

Da verschmelzen dann knallharte Investoren scheinbar mit dem lieben Jesulein in der Krippe; Immobilienhaie fallen mir (und meinen Lieben, die sie gar nicht kennen) verbal um den Hals, und knochentrockene Parteipolitiker wünschen mir „herzlichst“ irgend etwas zum Neuen Jahr. Das sind die krassen Fälle. Aber auch die harmloseren („Ihr Kfz-Partner wünscht frohe Feiertage“) tappen zumindest in die Banalitätsfalle. Phantasielosigkeit oder Panik wegen knapper Zeit (siehe Überschrift) sind da hochwirksame Treiber.

Die Fahndung nach Auswegen tritt seit gefühlten Ewigkeiten auf der Stelle. Es gibt zwei Täterprofile: Die Wohltätigen teilen mit: „Diesmal keine Hochglanz-Tischkalender – unterstützen Sie mit uns die hungernden Regenwälder!“ Die Witzigen haben irgendwo eine originelle neue PowerPoint-Sache, ein TikTok-Dings oder Schlimmeres zum Fest aufgetrieben. (Mein Favorit aus dem Jahr 2010 ist der hier.) Bei beidem heißt es aber gut aufpassen, ob man dem Empfänger damit gerecht wird.

So, und jetzt kommt das Einzige, was meiner Meinung nach wirklich hilft – genau wie bei jeder anderen PR-Aktion:

  1. Ich muss eine Viertelstunde lang überlegen, wer ich bin, wozu ich wirklich stehen kann und was mich gerade bewegt.
  2. Ich muss vor diesem Hintergrund herausfiltern, was davon eine Botschaft für meine Adressaten und Adressatinnen ist.
  3. Genau das sage ich dann mit meinen eigenen Worten – so wie ich sie etwa für eine Person wählen würde, der ich einfach nur wohlwollend gegenüber stehe.
  4. Für den Feinschliff beauftrage ich für wenig, aber gut angelegtes Geld einen Profi (das war jetzt schon der ganze Werbeblock!) oder teste die paar Sätze beim verschwiegenen Kundenberater meiner Bank.

Falls dabei herauskommen sollte, dass „Frohe Weihnachten und gutes Neues Jahr“ genau richtig ist – machen Sie sich keine Sorgen: Das wünsche ich Ihnen auch.

18. Dezember 2010 (Update: 5. Dezember 2020)

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