Siegesfeiern – Bitte Vorsicht!

Kommentar zum Umgang mit der „anderen“ Volkshälfte

Wenn direkt neben einem Begräbnis eine Party startet, dann gibt es Ärger. Ein Teil der Anhänger des unterlegenen Bundespräsidenten-Kandidaten Norbert Hofer ist gerade in wahlverliererWeltuntergangsstimmung. Und nein, das ist nicht lustig. Die Kommentare auf Hofers Facebook-Seite (abgesehen von Hass-Postings) sind genauso von Entsetzen und Verzweiflung geprägt, wie es bei Van-der-Bellen-Wählern im umgekehrten Fall gewesen wäre. Die Freude und Erleichterung bei den Gewinnern ist dementsprechend, nämlich extrem, ebenfalls mit Auswüchsen (Foto).

„Gräben zuschütten“ – die absolut unzureichende Floskel
Auch wenn sicher nicht alle Hoferwähler sich jetzt als Fremde im eigenen Land fühlen, es sind mehr als genug. Der Wahlkampf hat dazu geführt, dass es  eine kritische Masse in der Gesellschaft gibt, die einfach nicht mehr wollen wird. Mehr noch, sie kochen vor Wut und Enttäuschung, weil die anderen es anscheinend immer noch nicht kapiert haben. Diesen Gedanken liest man immer wieder. Es ist leicht nachvollziehbar, dass ein Bild der heulenden Verlierer, auf Facebook mit einem „Hahaha!“ betitelt, Benzin ins Feuer bedeutet.

Hier hat ja kein olympischer Wettstreit stattgefunden, sondern ein Kampf zwischen Gut und Böse. Und die Bösen dabei waren jedenfalls DIE, egal für wen man war. Ehepaare können sich scheiden lassen. Wenn Staatsvölker das versuchen… Jugoslawien ist kein schönes Beispiel. Es ginge ja auch gar nicht.

Warum die Rede vom Zuschütten der Gräben Unfug ist? – Wenn ich „die“ wäre, würde ich hochaggressiv darauf reagieren, dass die anderen den Graben zwischen mir und ihnen zuschütten, denn dann ist es nur noch ein Schritt und sie haben mich! Ich weiß nicht mal, ob ich überhaupt auch nur sehen will, was die da drüben treiben! Norbert Hofer an der Macht hätte auch davon gesprochen, die Gräben zuzuschütten, für alle Österreicher dazusein… – und die anderen hätten einfach nur Pickel davon gekriegt. So schaut es nämlich aus.

Der österreichische Patient braucht strikte Bettruhe oder so
adobe-spark2Einem Kind, das sich gerade zu Tode fürchtet, kannst du nicht den Krampus schicken, um ihm zu sagen, dass es keine Angst zu haben braucht; egal, ob das nun so stimmt oder nicht. Bei Erwachsenen ist es genauso. Alexander von der Bellen muss die Hoferwähler in Frieden lassen. Genauso tut Kern gut daran, wie im letzten TV-Duell Stichworte von H. C. Strache aufzunehmen und sehr ruhig die Dinge herauszufiltern, mit denen er etwas anfangen kann. Das ist kein „Kuschelkurs“ oder Wischiwaschi, sondern politisches Handwerk.

Das Wort „Bürgerkrieg“ in den Ring zu werfen, bleibt verantwortungslos. Denn es nährt, wovor es vorgeblich warnen soll.  Das ist nun nicht mehr zu ändern. Endlos triumphieren wird auch keine Sackgassen öffnen. Was aber bleibt?

  • Siegesfeiern zügig abschließen, und dann kein Wort mehr darüber. Hohn und Spott über die Verlierer unverzüglich einstellen.
  • Die folgende Politik ohne jeden erhobenen Zeigefinger, auch nicht mit demonstrativ gütigem „Ernstnehmen der Sorgen und Ängste“ BLABLABLA… betreiben.
  • Wenn das eine oder andere gelingt, das vielleicht auch im Interesse der „Anderen“ ist – bitte ihnen nicht unter die Nase reiben.
  • In der öffentlichen Auseinandersetzung: Cool down, und zwar radikal. Auf jede Provokation hin reflexhaft die ganze verbale Kavallerie ausreiten zu lassen, ist genau das Ziel der meisten Provokationen.
  • Diese Gesellschaft ist todkrank. Bitte nehmen Sie Rücksicht.